Barrierefrei bauen und wohnen.
von Robert Züllich

Bei der Entscheidung für einen Hausbau handelt es sich in den meisten Fällen um einen Entschluss fürs Leben. Denn erst einmal eingezogen, möchten die meisten am liebsten den Rest ihres Lebens in ihrem eigens erschaffenen Reich verbringen. Daher sollte ein Neubau gut durchgedacht sein, sodass er Ihnen und Ihrer Familie bestenfalls Komfort für sämtliche Lebenslagen bietet – auch im fortgeschrittenen Alter.

Bedenken Sie dabei jedoch, dass barrierefreies Wohnen bereits vor der Rente ein wichtiges Thema sein kann. Denn auch zum Abstellen eines Kinderwagens oder für den Gebrauch von Gehhilfen benötigen Sie genügend Platz. Hinzu kommt: Wer bei seinem Bauprojekt vorausschauend plant, vermeidet arbeitsaufwendige und kostspielige Umbauten. Mit dem Einbau einer Rollstuhlrampe ist es nämlich nicht getan.

Grundlagen: Was Sie über Barrierefreiheit wissen sollten:

Barrierefreiheit allgemein bedeutet, dass Gebäude sowie öffentliche Räume so gestaltet sind, dass sie für jede Person ohne fremde Hilfe zugänglich sind. Gemeint ist damit jedoch nicht nur ein barrierefreier Zugang, sondern auch, dass sich gehörlose oder seheingeschränkte Menschen zurechtfinden können.

Bezogen auf das Wohnen heißt Barrierefreiheit, dass eine Wohnung beziehungsweise ein Haus so gestaltet ist, dass die Bedürfnisse von Menschen jeden Alters sowie von Personen mit körperlichen Einschränkungen erfüllt werden. Entsprechende Maßnahmen sind sehr vielfältig. Barrierefreiheit kann beim treppenlosen Zugang zu Ihrem Zuhause starten und bei leuchtenden Steckdosen, die Sie nachts zur Orientierung nutzen können, enden – Sie entscheiden!

Warum barrierefreies Wohnen wichtig ist:

Altersgerechtes Bauen impliziert vor allem vorausschauendes Bauen. Man weiß nie, was im Leben passiert. Mit einem barrierefreien Haus sind Sie für viele Eventualitäten vorbereitet, um weiterhin selbstbestimmt in Ihren eigenen vier Wänden leben zu können und mit den Aufgaben des Alltags zurechtzukommen. Ebenfalls erhöht barrierefreies Bauen die Sicherheit und minimiert das Unfallrisiko, denn viele Unglücke passieren im Haushalt!

Wenn Sie Ihr Haus bereits im Voraus barrierefrei gestalten, sparen Sie sich ebenfalls den Aufwand eines nachträglichen Umbaus. Zudem können Sie die Planung Ihres Neubaus wunderbar an Ihre Bedürfnisse anpassen. Übrigens: Ist Ihr Zuhause barrierefrei eingerichtet, steigt der Wiederverkaufswert. Daher lohnt sich die Entscheidung für ein barrierefreies Haus gleich doppelt.

Nicht nur Bauvorkehrungen helfen Ihnen dabei, für die Zukunft gewappnet zu sein. Auch technische Lösungen erhöhen die Sicherheit in Ihren vier Wänden. Sie erleichtern Ihnen den Alltag, bauen Barrieren ab und geben Ihnen und Ihrer Familie ein sicheres Gefühl.

Gibt es an der Haustür beispielsweise eine Videosprechanlage, gehen Sie sicher, dass keine ungebetenen Gäste ins Haus gelassen werden. Wenn Sie Ihre Lampen per Zeitschaltuhr oder smart per App steuern, erspart Ihnen das nicht nur gegebenenfalls mühselige Wege zum Lichtschalter. Das gesteuerte Licht kann auch Anwesenheit vortäuschen und Ihr Haus vor Einbrüchen schützen.

Darauf sollten Sie bei Ihrem barrierefreien Hausbau achten:

Bereits mit der Entscheidung bezüglich des Bauplatzes können Sie zu Ihrem barrierefreien Wohnglück beitragen. Berücksichtigen Sie bei dem Grundstück unbedingt den Standort und die Infrastruktur, sodass wichtige Anlaufstellen wie Supermärkte in der Nähe liegen. Achten Sie ebenfalls darauf, dass Sie die Zuwege zu Ihrem Grundstück und Haus möglichst einfach und kurz gestalten können.

Beim altersgerechten Bauen spielt zudem die Phase der Bauplanung eine wichtige Rolle, da hierbei der Grundriss und die Raumaufteilung Ihres Hauses festgelegt werden. Ein möglichst simpler Grundriss sowie eine offene Aufteilung der verschiedenen Zimmer bieten Ihnen viel Bewegungsfreiraum und den Vorteil, dass sich der Einbau von nachträglichen Unterstützungs-Systemen einfach umsetzen lässt.

Welche Aspekte das barrierefreie Bauen beinhaltet, regelt die DIN 18040. Diese Norm gilt sowohl für öffentliche Gebäude als auch für Privaträume und gibt Aufschluss darüber, welche Mindeststandards Ihr Neubau erfüllen muss, um als barrierefrei zu gelten. Ebenfalls können Sie sich bei Fragen zur Barrierefreiheit an die Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungsanpassung e.V.  oder Barrierefrei Leben e.V.  wenden.

Mit dem Baustil Ihres Hauses zur Barrierefreiheit beitragen.

Wenn Sie ein Haus bauen, haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Bauweisen. Was halten Sie beispielsweise von einem Bungalow? Dieser Stil sieht nicht nur modern aus, sondern ist auch noch sehr praktisch. Denn dadurch, dass Sie nur auf einem Stockwerk wohnen, vermeiden Sie Hindernisse wie Treppen. Ein weiterer Vorteil: Da keine tragenden Wände vorhanden sind, haben Häuslebauer hier mehr Gestaltungsmöglichkeiten im Hinblick auf den Grundriss.

Falls Sie trotzdem mehrgeschossig bauen möchten, sollten Sie Ihr Haus so planen, dass Sie im Bedarfsfall die Möglichkeit haben, ins (barrierefreie) Erdgeschoss umzuziehen. Installieren Sie für diesen Fall am besten ein vollausgestattetes Badezimmer auf jeder Etage.

Entscheiden Sie sich für ein Haus mit mehreren Stockwerken, benötigen Sie eine Treppe, über die Sie die einzelnen Geschosse erreichen. Bestenfalls beachten Sie jedoch einige Faktoren, um die Treppe auch im Alter noch gut nutzen zu können.

Gestalten Sie die Treppe unbedingt geräumig und gerade, um die Sturzgefahr zu reduzieren. Besonders Wendeltreppen und Treppen mit schmalen Stufen bieten ein hohes Unfallrisiko. Gleichermaßen wichtig ist es, die Treppe mit einem Handlauf zu versehen. Darüber hinaus lässt sich auf einer geraden Treppe ein Treppenlift installieren, der Sie vom Obergeschoss ins Untergeschoss bringen kann, wenn das Treppensteigen zunehmend schwieriger wird.

Ausreichend große Bewegungsflächen schaffen.

Fragen wie „Wie breit muss eine Tür für einen Rollstuhl sein?“ oder „Passt ein Rollstuhl durch eine normale Tür?“ sind im Hinblick auf barrierefreies Wohnen durchaus wichtig. Grundsätzlich gilt: Räume sollten Freiflächen mit etwa 150 Zentimeter Radius aufweisen, um mit einem Rollstuhl nirgendwo anzustoßen oder einen Gehstock uneingeschränkt verwenden zu können. Überdenken Sie verwinkelte Räume in Ihrer Planung daher vorsichtshalber nochmal.

Klären Sie im Vorfeld, welche Anforderungen Sie an Ihr Haus stellen. Logischerweise benötigt eine Familie mehr Platz als ein Ehepaar. Bedenken Sie jedoch: Planen Sie nur so viel Platz ein, wie notwendig. Denn auch im Alter sollten Sie sich zwischen allen Räumen bewegen können. Auch in puncto Sauberhalten, schränkt Sie im Alter jeder weitere Quadratmeter vermehrt ein.

Breite Türen ohne Bodenschwellen einbauen.

Alle Räume Ihres Neubaus sollten jederzeit problemlos begehbar sein. Daher sind ausreichend breite Türen, Durchgänge und Flure das A und O beim barrierefreien Wohnen. Achten Sie am besten schon bei der Planung Ihrer Immobilie darauf, denn das nachträgliche Vergrößern kann unter Umständen sehr aufwendig sein. Idealerweise sind Türen 90 bis 100 Zentimeter breit, um sie auch mit einem Rollator oder Rollstuhl ohne Weiteres passieren zu können.

Flure sollten eine Breite von 120 Zentimetern haben. Denn eines steht fest: Von breiten Fluren profitieren Sie nicht erst im Alter, sondern auch im Hinblick auf die Hausarbeit, wie beim Tragen von Wäschekörben. Planen Sie außerdem genügend Bewegungsflächen vor Türen oder in Fluren ein, die als Wende- oder Rangierfläche dienen können.

Weitere vermeintliche Hindernisse sind Bodenschwellen. Für gesunde und mobile Menschen stellen sie keine Herausforderung dar. Für Kinder und bewegungseingeschränkte Menschen, die beispielsweise einen Rollator benötigen, schon. Montieren Sie die Bodenschwellen einfach ab und lassen Sie die Türblätter durch einen Tischler verlängern. So können Sie dieses Problem von vornherein vermeiden.

Schalter und Griffe in der richtigen Höhe anbringen.

Lichtschalter, Griffe oder Steckdosen sollten so installiert sein, dass diese auch im Alter problemlos erreicht werden können. Lichtschalter und Griffe liegen dabei am besten in einer Höhe von etwa 110 Zentimetern.

Steckdosen montieren Sie idealerweise etwa 40 cm über dem Boden, sodass Sie einen Stecker einstöpseln können, ohne knien zu müssen.

Auch das Erreichen von Fenstergriffen kann unter Umständen eine Herausforderung darstellen. Wenn Sie zukunftsorientiert handeln möchten, können Sie die Griffe der Fenster im unteren Drittel montieren lassen. In der Regel kostet es nichts extra und kann beispielsweise für Rollstuhlfahrer sehr hilfreich sein.

Gutes Licht in Ihrem Haus.

Helle Räume tragen nicht nur zu einer angenehmen Wohlfühlatmosphäre bei – sie sind auch äußerst praktisch, um Stolperfallen zu erkennen. Für eine gleichmäßige Innenbeleuchtung eignen sich Licht emittierende Dioden oder kurz LED, optimal. Ebenso vorteilhaft ist, dass LEDs sehr langlebig und stromsparend sind.

Wenn Sie Bewegungsmelder installieren, schaltet sich das Licht jederzeit automatisch ein, wenn Sie den Raum betreten. Außerdem vergessen Sie so nie, das Licht wieder auszuschalten. Beleuchtete Steckdosen können zudem dabei helfen, in der Dunkelheit nicht die Orientierung zu verlieren.

Altersgerechte Räume gestalten.

Neben allgemeinen Aspekten zur Barrierefreiheit, die Sie in allen Räumen berücksichtigen sollten, gibt es auch einige spezielle Anforderungen an die Gegebenheiten in Räumen wie der Küche, dem Bad oder dem Schlafzimmer.

Barrierefreies Badezimmer

Um die sanitären Anlagen im Bad in jeder Lebenslage nutzen zu können, sollten Sie einige Aspekte bedenken:

  • Richten Sie eine bodentiefe Dusche ein, um beim Betreten der Anlage keine Stufe überwinden zu müssen. Behalten Sie sich zudem die Option vor, später einen Duschsitz anzubringen.
  • Setzen Sie nach außen öffnende Türen in Ihre Dusche ein oder verzichten Sie komplett auf eine Tür.
  • Entscheiden Sie sich für rutschhemmende Fliesen, um das Unfallrisiko zu minimieren.
  • Wählen Sie unterfahrbare Waschtische mit schwenkbaren Armaturen, die einfach zu erreichen sind.

Barrierefreie Küche

Die Küche ist für viele Familien der Mittelpunkt des Geschehens. Wenn Sie diesen Raum barrierefrei gestalten möchten, beachten Sie die folgenden Punkte:

  • Planen Sie Ihre Küche in der passenden Höhe, um sich das Arbeiten zu erleichtern.
  • Die Arbeitsplatte, das Kochfeld sowie das Spülbecken sollten wie im Bad einfach zu erreichen sein.
  • Wenn möglich, wählen Sie unterfahrbare Küchenelemente.
  • Nutzen Sie multifunktionale Apothekenschränke.
  • Installieren Sie Elektrogeräte in bequemer Höhe, damit kein tiefes Bücken notwendig ist.

Barrierefreies Schlafzimmer

Besonders im Schlafzimmer besteht ein erhöhter Platzbedarf:

  • Planen Sie den Raum groß genug, sodass Sie das Bett von drei Seiten erreichen können und ausreichend Abstand zur Wand bleibt, um auch mithilfe eines Rollstuhls das Bett zu erreichen.
  • Nutzen Sie ausklappbare und absenkbare Kleiderstangen, die Ihnen das Greifen nach Kleidungsstücken erleichtern.
  • Bringen Sie Lichtschalter direkt neben dem Bett an.

Fazit:

Zusammengefasst gibt es beim barrierefreien Bauen viele Besonderheiten zu beachten. Bauen Sie als gesunder Mensch mittleren Alters Ihr Eigenheim, stehen Sie vor der Herausforderung, so weit vorauszudenken, dass Ihr Haus allen Anforderungen entspricht, die Sie erst mit zunehmendem Alter feststellen werden. Seien Sie sich jedoch sicher: Auf lange Sicht werden sich die entsprechenden Vorkehrungen auszahlen.

Und keine Sorge: Sollten Sie Hilfe bei der altersgerechten Gestaltung Ihres Eigenheims benötigen, stehen Ihnen die Experten von BACH jederzeit gerne beratend zur Seite.

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